„Winter Bekanntschaft“
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Jetzt ist die Zeit, da die Tage deutlich kürzer werden und der Abend uns schon am Nachmittag begegnet. Oft wird es gar nicht mehr richtig hell, zwinkert doch mal ein Sonnenstrahl verwegen durch die Äste halb kahler Bäume, erschreckt fast sogar das Auge vor ihm. So viel goldenes Licht gibt es aber kaum noch, es wandelt sich in kühles Winterblau, welches mit vielen Grautönen durchsetzt die nächste Jahreszeit unvermeidlich ankündigt. Die Abende im gut beheizten Haus sind so romantisch, im alten Bauernhaus liegt vor dem Küchenofen der alte Hund der Familie. Er ist allein im Haus, der Bauer im Wald um Holz zu holen, es muss noch trocknen bis der erste Schnee fällt, und der wird nicht mehr lang auf sich warten lassen. Die Bäuerin ist im Stall mit jungen Lämmern beschäftigt, sie sind vom Sommer diesen Jahres und stehen schon gut im Futter. Aber sie rufen oft und mancher Mensch kann dann nicht nein sagen und schmust doch mit den Schafen mehr als mit dem Hund. Überhaupt hatte der alte Hund eh schon viel zu teilen, seinen Platz, sein Futter und nun auch noch die Streicheleinheiten, er verstand nicht, was einem Menschen daran gefallen konnte, einen jungen Schafbock auf der Stirn zu kraulen. Aber mit dem Bewusstsein nichts daran ändern zu können, fand er sich damit ab und schlummerte tief ein. Es schneite, leise fielen Zauberflocken zu Boden, alles glänzte unter den reich behaarten Pfoten des Afghanen. Er stand mitten auf einer Lichtung im Wald und es war still um ihn herum. Er drehte seinen Kopf nach links und rechts und zuckte zusammen als ihn plötzlich etwas von hinten am Hals traf. Er sprang herum um nach hinten zu sehen, aber da war nichts. Zwischen den Ästen eines Baumes konnte er aber etwas verschwinden sehen, er wusste nicht was es war, aber es machte ihn wütend. Laut rief er in den Wald hinein, "Hey Du, was denkst du dir, was soll das, das war nicht komisch!" Ein lustiges Kichern kam nun aus der Richtung der Bäume und war über die gesamte Lichtung zu hören. Dann traten zwei junge Halbstarke einer nach dem anderen zwischen den tief hängenden Ästen einer uralten Tanne hervor und blieben in Baum Nähe stehen. "Hallo Opa" meinte der Größere von beiden und der zweite senkte grinsend seinen Kopf. "Was heißt hier Opa?" meinte der alte Afghane, ich werde Euch die Hammelbeine lang ziehen dann werden wir sehen wer hier zuletzt lacht! So ein freches junges Gemüse, brummelte er vor sich hin als er langsam aber mit sicheren Schritten, zu den beiden durch den Schnee stiefelte. "Wer seid ihr beide denn und was treibt ihr hier im Wald?" meinte er. "Ach, wir wohnen nicht weit weg, unsere Eltern haben zu tun und wir vertreiben uns etwas die Zeit." "Das nennt ihr Zeitvertreiben? Alte Leute ärgern?" "Entschuldige bitte, wir haben Dir nicht weh tun wollen, wir haben uns nichts böses dabei gedacht. Vielleicht möchtest du uns mal besuchen kommen, unsere Eltern würden sich sicher sehr freuen." Nun kam ein Lächeln auf des alten Afghanen Gesicht und die Barthaare zu beiden Seiten der Schnauze zogen sich lustig hoch. "Oh ja, das würde mich sehr freuen, ich würde gern am nächsten Wochenende zu euch kommen, richtet bitte Euren Eltern schöne Grüße von mir aus." "Ja, das werden wir, sei bitte in einer Woche wieder hier, wir werden Dich hier abholen." Man verabschiedete sich und ging seiner Wege, nun hörte der alte Afghane kleine Vögelchen im kalten Winterwald singen, mal ein Zwitschern hier und mal ein Zwitschern da. War doch schön heute, dachte er und ging weiter heim zum Bauernhaus. Diesmal ging er nicht direkt ins Haus sondern in den Stall, die Bäuerin stand bei den Lämmern und der alte Hund schob seinen Kopf unter ihre Hand um sich nah an sie zu drücken. "Hey du alter Stromer, wo kommst du denn her, jetzt aber los ins Haus, es gibt was warmes, komm mit mein Schöner". Und als er wieder vor dem Kamin lag und der Bauernfrau und ihrem Mann beim Tee trinken zu sah, hätte er ihnen zu gern von seiner Einladung erzählt, aber davon würden sie noch früh genug erfahren dachte er und räkelte sich in seinem Korb. Die folgende Woche wollte und wollte nicht vorüber gehen, er zählte die Tage bis zum Wochenende und dann war es endlich soweit! Sonntag! Als die Bauernfrau im Bad stand und sich die Haare kämmte kam ihm die Idee, sich doch auch etwas schön zu machen und schwupps stand er neben ihr und schaute sie grinsend an um den Eindruck zu erwecken, er hätte etwas, sofort fing sie an zu fragen was mit ihm sei? Aber es half nichts, sie kam erst nicht drauf, also musste er sich ganz doll kratzen und sofort schaute die Bäuerin nach ob er irgendwo einen Fellfitz hätte. Sie meinte, oh ja, wir müssen dich mal schnell durch bürsten, ha, dachte er, ist doch ganz einfach seine Leute zu trainieren wenn man nur weiß wie! Gegen Mittag machte sich der schöne Afghane nun auf den Weg zur Lichtung auf der er die beiden Jungsporne kennen gelernt hatte. Der Schnee war heute schon höher und so hatte er wirklich seine Mühe auf dem Weg, aber er freute sich so sehr die ganze Familie kennen zu lernen, das er die Strapaze auf sich nahm. Und tatsächlich als er am vereinbarten Ort ankam, warteten die Jungs schon auf ihn und wedelten lustig mit ihren Ringelruten. Sag mal, wie sollen wir dich eigentlich nennen, Opa sollen wir ja nicht sagen. "Ich bin King, meinte der etwas ergraute schöne alte Afghanen Herr und es würde mich auch freuen, wenn ihr mir eure Namen nennen würdet." Während der Kleinere seine Kreise um die beiden anderen zog um alle Düfte aufzunehmen die da so waren, stellte sich der größere Bruder direkt vor den Alten und sagte, "wir sind Rick und Roy". "Oh , was für ausgefallene Namen", meinte der Alte und dann liefen sie zusammen los. Es war nicht weit, schon nach wenigen Kilometern kamen sie an einen Waldweg der von einem dicken Baumstamm versperrt war. Kommt spring , meinte Rick der Größere, und King folgte ihm über der Stamm. "Warum liegt der hier", fragte der Alte, "ach, unser Mensch will seine Ruhe, er mag keinen Besuch, und der Stamm hat seinen Zweck bisher immer gut erfüllt." Bald kamen sie an eine total verschneite große Waldhütte, vor dem Haus stand ein bunt geschmückter Tannenbaum. Und als die Jungs bellend auf das Haus zu liefen, kam sogleich der Menschenmann mit den Eltern der jungen Afghanen aus dem Haus. "Na, ihr Lausbuben, wo habt ihr Euch schon wieder herum getrieben?", meinte er als er sie liebevoll auf den hoch gestreckten Köpfen kraulte! Her je, da haben wir ja Besuch! Schnell war auch der alte King aufgefallen, und alle schnüffelten sich gegenseitig ab. Der Menschenmann, der übrigens Waldpfleger war, schnüffelte natürlich nicht, sondern kraulte was er konnte. Dann im Haus gab es leckeres Essen, die Eltern der Jungs waren wohl schon sehr lang bei dem Waldpfleger, sie lagen immer zusammen, waren unzertrennlich. Es war sehr gemütlich in dem Häuschen, es war warm, der große Bauernofen wurde immer nach gelegt, direkt vor ihm hatte der Menschenmann dicke Holzscheite aufgestapelt und schob sie , sobald es nötig war unter tiefem Stöhnen kraftvoll ins Feuer. Dann klatschte er mehrmals in die Hände und zog sich die Lederhose höher, bevor er sich wieder an den großen Stubentisch setzte. Jedes mal das gleich Ritual, der alte Rüde musste über den Menschen lachen und das bekamen auch die Mutter der Jungs mit, sie zwinkerte ihm zu. Naja, sie kannte das ja schon und auch Menschen haben eben auch ihre Ticks. Der alte Rüde hätte hier bleiben können, aber er dachte an seine Bauernfrau, sie machte sich bestimmt schon wieder Sorgen um ihn, und deshalb beschloss er nun den Rückweg anzutreten. Er lief schnell zur Haustür und bellte einmal leise in die Höhe, "ach, willst du nach draußen, meinte der Mensch und stand ganz bedächtig auf. Er streichelte beim Öffnen der Tür noch einmal ganz langsam über den breiten Rücken des Alten und beim raus gehen, zog er seine Ringelrute bis zur Spitze durch seine Finger. Auch die anderen Afghanen liefen mit vor das Haus, die Jungs tobten herum, spielen konnte man halt immer, auch am späten Nachmittag im Schein der bunten Lichter am fast verschneiten Weihnachtsbaum. Es wurde schon dunkel und so verabschiedeten sich alle, und mit einem kessen Sprung über eine Schneewehe machte sich der Alte auf nach Hause. Er lief ohne Pause, kürzte etwas ab und war schneller heim als er dachte, diesen Weg wollte er sich merken. Von weitem duftete es schon aus dem Bauernhaus nach Braten und alles war weihnachtlich geschmückt. Hmm, dachte er, was für ein herrliches Leben hab ich doch. Im Haus war Besuch, große Menschen und Kinder saßen um den Weihnachtsbaum und redeten alle lustig durcheinander, aber das interessierte den Alten heute nicht mehr so sehr. Er hatte viel nettes erlebt heute und würde davon sicher in der Nacht träumen und am schönsten war, das man sich wieder treffen wollte, zum Gegenbesuch. Was würde die Bauernfrau große Augen machen dachte er, wenn sie seine neuen Freunde das erste Mal sehen würde. Aber jetzt lies er sich erstmal wieder streicheln, mit Keksen füttern und schlummerte dabei langsam zum Klang von "Tannenbaum, O Tannenbaum ..." ein.
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